Wer nichts kann, der führt oder: lass mich dein Sklave sein

Wir leben im 21. Jahrhundert und es ist ein fulminanter Fortschritt zu beobachten: Sklaven wurden mit Lohn-Sklaven ersetzt und Hierarchie mitsamt Führung findet nicht mehr auf Baumwollfeldern statt, sondern in Konzernen, Unternehmen oder Agenturen. Wie besingt es Kraftklub so schön: Ich sage ja, ich meine nein – lass mich dein Sklave sein!

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Vor kurzem ersuchte mich ein böser, ganz schlimmer Traum – ich träumte, dass mein selbstbestimmtes Leben in Freiheit urplötzlich vorbei war. Mein Leben der letzten vier Jahre, die ich damit verbracht habe, eloquente Bücher zu schreiben, nebenher zu kellnern, freiberuflich Werbetexte zu verfassen und erste Schritte als Unternehmerin zu wagen. Dann entschied ich mich in meinem bösen Traum dafür, dass es wohl klug wäre, mal wieder bedeutend mehr Geld zur Verfügung zu haben, um dieses in meine Herzens-Projekte zu investieren. Folglich suchte ich mir eine Tätigkeit, die ich gut kann und die ich liebe: Texte schreiben. Nicht freiberuflich, sondern fortan in einer 35 Stunden Büropflicht-Anwesenheits-Geschichte, denn zu 40 Stunden war ich nun wirklich nicht bereit.

Dieser Traum war wirklich skurril, denn es fiel mir wahrhaftig schwer, nach vier Jahren ohne Wecker, mir wieder einen Wecker zu stellen und diesem Tag um Tag Gehör zu schenken. Zuvor schrieb ich oft ganze Nächte durch und so ward mein Körper einen flexiblen Schlafrhythmus gewohnt. Zum Glück klappte das Aufstehen mit Unterstützung meines geliebten Kaffees sodann ganz passabel, und ich freute mich – wie sagt man doch so schön – auf eine neue Herausforderung.

Gleichberechtigung? Wieso stellen dann Frauen immer noch Telefonate zu wichtigen Männern durch?

Doch dann passierten sogleich merkwürdige Dinge in diesem Traum, und ich beginne mit einem diktatorischen Beispiel. Eines sonnigen Tages erhielt ich einen Anruf von einer Dame, die mich fragte, ob ich für einen wichtigen Mann zu sprechen sei. Ich wunderte mich geflissentlich. Weshalb ruft der wichtige Mann denn nicht selbst an? Es erschien mir, als sei ich die gute Alice, doch der Ort meines Traumes war nicht das Wunderland, sondern das Führungsland. In jenem braucht es offenbar Menschen, die Macht demonstrieren und Menschen führen, indem sie Anweisungen erteilen, um anderer Menschen Zeit zu füllen. Die Dame war wirklich sehr freundlich und erledigte die ihr zugetragene Aufgabe des Durchstellen eines Telefonanrufes gewissenhaft. Ich muss sagen, der wichtige Mann war auch freundlich und es war ein angenehmes und ergebnisorientiertes Gespräch, nichtsdestotrotz fühlte sich die feministische Emanze Alice nicht ganz wohl im Führungsland. Ich meine, umgekehrt macht es die Sache auch nicht besser, sprich wenn eine wichtige Frau einen Mann damit beauftragt, Telefonate durchzustellen, nur kommt das ja irgendwie nicht ganz so häufig vor. Jedenfalls mag Alice diese respektlose als gleich dominante Art von Führungsstil im Führungsland so überhaupt gar nicht. Im Wunderland bezahlt man nämlich andere Menschen nicht dafür, Telefonate durchzustellen, außer man macht es, um dem anderen einen Streich zu spielen und ihn so zum Lachen zu bringen. Aber vielleicht gibt es im Führungsland ja desgleichen einen Zaubertrank und der wichtige Mann hatte ihn kurz vorher getrunken und ward nun so groß, dass er den Hörer einfach nicht mehr greifen konnte und jemanden brauchte, der mit seinen kleinen filigranen Fingern die Ziffern eingab und ihm sodann die Lautsprechertaste drückte.

Überholte Strukturen mit unflexiblen Arbeitszeitmodellen

Das Führungsland war jedenfalls generell sonderbar. So ward Alice von ihrer weiblichen Vorgesetzten ständig hinsichtlich ihrer waghalsigen Kreativität ausgebremst und das ärgerte Alice unschätzbar. Zudem schrieb die fleißige Alice die meisten aller Texte und sie schrieb sehr gute Texte und fragte sich, was ihre Vorgesetzte eigentlich den ganzen so Tag so trieb, außer dauernd zu stöhnen, zu meckern, zu fluchen, sich zu meeten, Alice und ihre Kollegin zu kontrollieren sowie Arbeit zu delegieren ohne jeglichen Kompetenz-Beitrag. Frei nach dem Motto: Wer nichts kann, der führt. Diese Konstellation der einseitigen Bewertung sowie unausgewogener Produktivität gefiel Alice nicht und so kam es mit der Zeit immer häufiger zu Auseinandersetzungen zwischen Alice und ihrer weiblichen kinderlosen Vorgesetzten, denn diese gab Alice immer wieder zu verstehen, dass sie keine eigene Meinung haben darf und es wurde ihr immer wieder gesagt, sie solle mit Kritik vorsichtig sein, dabei diente diese doch, das Ergebnis, sprich in diesem Fall Texte, zu verbessern. Obendrein wagte es die Vorgesetzte einen Aufstand zu betreiben, wenn Alice mal fünf Minuten nach 10 Uhr im Büro erschienen ist, dabei war Alice an jedem einzelnen Tag produktiver als ihre Vorgesetzte, selbst wenn Alice erst um 15 Uhr im Büro erschienen wäre. Lustig fand Alice auch so manche E-Mail ihrer Führungskraft wie: „Machst du dir bitte ein paar Gedanken zu dem XY-Meeting, das heute mittag stattfindet?“. Die Führungskraft saß doch direkt neben Alice, wieso sprach sie dann nicht mit ihr und zudem stellte sich Alice die Frage, ob sie denn nun wirklich jemanden brauchte, der sie ans Denken erinnert? Alice fand das alles sehr sonderbar, erfreute sich aber insgeheim an einer Erdogan-Karrikatur, die sie eines Abends bei einem Glas Wein von ihrer Vorgesetzten und ein paar anderen der ominösen Führungskräfte zeichnete.

Jedenfalls träumte Alice den Traum im Führungsland noch ein bisschen weiter, denn der Monat Mai und Juni lagen noch vor ihr, und Alice freute sich schon auf die ganzen vielen Feiertage, die bevorstanden, doch dann wurde ihr gekündigt, weil Alice mehrmals gefragt hatte, ob man ihren Vertrag nicht in eine freie Mitarbeit als Texterin umwandeln könne und Alice sich so gar nicht daran gehalten hatte, sich 35 Stunden in der Woche zu verstellen. Alice fand es sehr traurig, dass ihre Arbeit im Führungsland nicht nach der beispiellosen Qualität ihrer Texte beurteilt wurde, sondern nach ihren utopischen Wunderland-Vorstellungen, die so überhaupt keine starren Arbeitszeiten inklusive „Zeit absitzen“ und ebenso wenig Führungskräfte beinhalten, sondern vielmehr flexible Arbeitszeiten und Entscheidungsträger und wenn man vielleicht von Regeln sprechen kann, dann wohl eher von anarchisch geprägten. Die braucht es nämlich im verrückten Wunderland. So wie scharfsinnige Lehrer und geduldige Mentoren. Es braucht unbedingt und zwingend Menschen, die Entscheidungen treffen und andere Menschen Wissen lehren. Wie man Tee kocht zum Beispiel. Gut, man kann es auch selbst ausprobieren, wie lange man den Tee ziehen lässt, aber es bedeutet eine Zeitersparnis, wenn solch ein Wissen weitergegeben wird. Desgleichen muss irgendjemand entscheiden, welche Uhrzeit der vielen verschiedenen Uhren denn nun die maßgebliche ist, sonst kommt ein Treffen einer Verabredung nicht zustande. 

Im Wunderland gibt es jedenfalls keine sinnlosen Anwesenheitspflichten, um Arbeiten zu erledigen. Der Märzhase tunkt die Uhr so lange hintereinander in die Teetasse, bis sie funktioniert. Im Führungsland hingegen wird gerne kontrolliert. Dass das aber eigentlich keine Kontrolle ist, erscheint Alice merkwürdig und gleichsam eigenartig. Die Menschen arbeiten ja gar nicht ihre ganze Arbeitszeit über, sie quatschen zum Beispiel zwischendurch miteinander über private Themen oder shoppen online oder buchen Urlaubsreisen in ihrer Arbeitszeit. Wieso legt man denn eine Anwesenheitspflicht fest, die man ja dann doch irgendwie gar nicht kontrollieren kann? Weshalb traut man erwachsenen Menschen nicht zu, dass sie selbst entscheiden, wann, wie und wo sie die Uhr am besten in die Teetasse tunken? Letztlich wollen wir doch alle eine funktionierende Uhr – außer vielleicht, wenn wir Liebe machen, denn dann steht die Zeit ja sowieso still.

Meine Meinung zu existenten Bürokulturen: 

Ein Gebrauch, wovon der Bruch mehr ehrt als die Befolgung 

– William Shakespeare – 

Jedenfalls bin ich dann in meinem Traum irgendwann aufgewacht und habe mich gewundert über diesen Traum im Traum. Ich ging eine Runde mit meinen Hund spazieren, und dann sah ich da urplötzlich ein weißes Kaninchen. Es huschte vorbei und winkte mir mehrmals als gleich eifrig zu, ihm zu folgen. Da Alice keinen wichtigen Meetings mehr im Führungsland beiwohnen musste und überdies nicht mehr 148.713 Mails zu checken waren, nahm sie die Einladung des freundlichen Kaninchens an. Gleichzeitig ersuchte mich ein erquickliches Déjà-vu, denn ich war dem weißen Kaninchen ja bereits schon einmal gefolgt, und an diese Zeit hegte ich ausnahmslos wunderschöne Erinnerungen. Es erschien und erscheint mir ein bisschen verrückt, aber irgendwie auch ausgesprochen paradiesisch, dass ich jegliche Arbeiten nun wieder unter sinnvollen Rahmenbedingungen tätige. Wenn ich kellnern gehe, dann tue ich das zu der Zeit, wenn Gäste da sind, und nicht wenn das Restaurant leer ist. Wenn ich Bücher schreibe, dann, weil mich Gedanken und Fantasie übermannen und ich diese sodann zu Papier bringe. Mal zehn Stunden am Stück, mal zehn Minuten. Wenn ich in das Büro ins Gründerinnenzentrum meines Start-up Unternehmens  fahre, dann weil es Aufgaben zu erledigen gilt, ohne deren Erfüllung das Projekt nicht realisiert werden kann. Das erfolgt mal um 8 Uhr in der Früh und mal um 16 Uhr nachmittags. Mit dieser ergebnisorientierten Motivation betrachte ich auch meine Arbeit als Texterin. Da schreibe ich gerne und bereitwillig Texte, wenn jemand Texte braucht, aber wieso muss ich mich deshalb meiner Freiheit berauben lassen und wieso muss mich jemand führen?

Die Begrifflichkeit „Führungskraft“ an sich ist schon in Anbetracht ihres Wortsinnes irreführend, denn sie impliziert „Führung“ und erwachsene Menschen müssen nicht geführt werden. Erwachsene Menschen erledigen Aufgaben und je mehr man ihnen dabei Freiheit schenkt, desto produktiver gestaltet sich das Ergebnis. Zudem hat die Digitalisierung uns Laptops und Smartphones geschenkt, warum zur Hölle überdenken und hinterfragen wir dann nicht einfach einmal das ganze System der starren 40- beziehungsweise 35-Stundenwoche?

Weshalb Wolke 7 ein Arschloch ist

Aufgepasst: Wolke 7 kann dich veräppeln – sie kann sich bitterböse und tiefschwarz zuziehen. Desgleichen ist keine andere Wolke dazu befähigt, dich derart watteweich im Himmel zu betten – in Begleitung wunderschöner Glücksgefühle. Wolke 7 ist halt eben so ein richtiges Arschloch.

Letztens wurde ich gefragt, ob ich an Liebe auf den ersten Blick glaube. Eine gute Frage, denn sie impliziert, dass ich an Liebe glaube, und das wird einem ja nun wirklich manchmal alles andere als leicht gemacht. Diverser Knock-Out Schläge zum Trotz glaube ich aber noch an die Liebe, und ebenso daran, dass sie ein nicht steuerbares Gefühl darstellt, womit sich der Kreis zur Ursprungsfrage schließt: Ja, ich glaube an Liebe auf den ersten Blick. Genau genommen sogar gänzlich naiv und romantisch verklärt, denn für gewöhnlich entscheide ich stets und immerzu innerhalb der ersten zehn Sekunden, ob da ein Ausflug auf Wolke 7 möglich ist oder nicht.

In Anbetracht meines fortschreitenden Alters samt dröhnend tickender Uhr stellt sich mir allerdings die Frage, ob mein Glaube an diesen wundersamen Blitzeinschlag eigentlich richtig ist. Und so summe ich immer öfter dieses eigentümliche Lied über Wolke 4. Das Lied, was ich anfangs so furchtbar schrecklich und unromantisch fand, und dann plötzlich gar nicht mehr, denn manchmal ist es mir durchaus schon passiert, dass ich erst mit der Zeit und fortschreitendem Kennenlernen Gefühle entwickelt habe.

Ja, was hat denn nun mehr Potenzial zum Glück? Wolke 4 oder 7?

Fangen wir mal damit an, was Wolke 4 überhaupt bedeutet, exemplarisch erläutert am männlichen Geschlecht. Ein Mann vierten Wolkengrades ist ein Mann, der gewisse Grundvorraussetzungen erfüllt. Der optisch einladend ist, mit dem ich gute Gespräche führen kann und der über Charme und Manieren verfügt. Ein Wolke 4-Mann ist aber gleichzeitig ein Mann, bei dem dieser wundersame Blitz nicht eingeschlagen hat. Ein Mann, den ich normal und souverän begrüße, ohne samt Schamröte ein „Ich habe eine Wassermelone getragen“ zu stammeln.

Kommen wir nun zu dieser ominösen Wolke 7. Man möge meinen, dass auch ein Wolke 7-Mann gewisse Grundvorraussetzungen erfüllen muss, nur liegen diese nicht mehr in Objektivität begründet. Bei einem Wolke 7-Mann schlägt einfach nur der wundersame Blitz ein – ohne, dass er zwingend aussieht wie Heath Ledger, ohne dass man überhaupt ein richtig gutes Gespräch geführt hat, und dessen Manieren und Charme einem gänzlich unbekannt, aber ganz sicher in einer Endlosschleife, vorhanden sind.

Verflixt verfluchtes Wolken-Roulette!

So – jetzt sind wir uns mal alle schön einig, dass wir natürlich und indiskutabel Wolke 7 erstreben! Niemand will sich mit weniger Glück zufrieden geben, wenn das Maximum Herzklopfen, Glückseligkeit und einen dauerfeuchten Unterleib generiert. Nur leider gibt es da ein klitzekleines Problem mit diesen Wolken, denn deren Grad spielt gerne Roulette. Da geht es urplötzlich, unverhofft und im unsanften Fall von Wolke 7 auf Wolke Minus 10.000, von Wolke 5 auf Sex, und von Wolke Sex wieder auf Wolke 3. Dieses Roulette ist verflixt und verflucht unberechenbar, und reines Glücksspiel. Beispiele gefällig?

Faites vos jeux! Wolke 7/6?/1-Richard

Vorzugsweise betrachte und betreibe ich Internet-Dating rein beruflich, bis ich eines späten Abends in einem Irish-Pub auf Richard traf. Von einer Sekunde zur nächsten schlug mein Interesse blitzartig in den Privatmodus um: Ja, genau dich will ich! In meinem flauschigen Bett und an meiner Hand, um gemeinsam in jeden Sonnenuntergang hineinzuspazieren. Lass uns zwanzig Kinder machen, und jedes Jahr auf`s Neue heiraten!

Richard, der Große! Mann, was hatte hier bei mir der Blitz eingeschlagen! Es passiert mir wirklich selten, dass er sich so krachend bemerkbar macht, nur wusste ich leider so gar nicht, ob das auf Gegen- oder Einseitigkeit beruhte. Nach anfänglichen Stotter-Schwierigkeiten gelang es mir, normale, wenn nicht sogar eine vertraut angehauchte Konversation mit Richard zu betreiben. Ich gab mir aufrichtig Mühe, nicht zu sehr auffallend schmachtend an seinen Lippen zu hängen, indessen er mir seinen beruflich ausgerichteten Lebensplan offenbarte, der ihn erst nach Hamburg, dann nach Monte Carlo und schlussendlich nach Los Angeles führen wird.

Zum Abschied gab Richard mir ein Küsschen auf die Wange, dankte mir für den schönen Abend und sagte, dass er sich gefreut hat, mich kennenzulernen. Das lässt Raum für Interpretation, die ich sogleich zerstören kann. Bei Richard hatte nicht der verliebte Blitz eingeschlagen, und ich hielt gedanklich die Notiz fest, dass Wolke 7 ein Arschloch ist. Nicht Richard, denn immerhin bekundete er wenigstens sexuelles Interesse und prahlte mit seiner Zungenfertigkeit, die ich nur allzu gerne einmal in Anspruch nehmen würde und auch werde? Ich weiß es nicht! Eigentlich wollte ich doch Romeo und Julia mit Richard spielen, und nicht ausschließlich Sexspiele.

Faites vos jeux! Wolke 4/5/6-Tom

Tom ist ein kluger und zuvorkommender Jura-Student, und um es vorweg zu nehmen, mit Tom ging es ziemlich rasch von Wolke 4 auf Wolke Sex. Guter Sex, nicht überragend aber gut und sicher ausbaufähig, wenn Tom nicht genauso rasch als gleich kühl und kalt zum Eisklotz mutiert wäre. Männer sind ja manchmal wie kleine Kinder und testen ihre Grenzen aus. Eisklotz Tom hatte sie an dem Punkt erreicht, an dem er irgendwann, genau genommen bereits bei unserem dritten Treffen und somit zweiten Sex-Intermezzo, Sex ohne Küssen wollte. Gut, er war krank und wollte mich nicht anstecken, aber dann praktiziere auch keinen Sex mit mir.

Wirklich eine traurige Geschichte, denn in unserer ersten Nacht war Tom ein feuriger Liebhaber – romantisch, voller Leidenschaft und so überhaupt gar nicht auf diese Rein/Raus-Geschichte fixiert. Was ja zwischendurch auch mal seinen Reiz hat, aber ganz sicher nicht mit einem Eisklotz, und zumal ich angefangen hatte, meinen Eisklotz süß zu finden und zu mögen. Während unserer letzten Zusammenkunft fühlte ich mich jedenfalls leibhaftig wie in der Antarktis, und musste feststellen, dass Unterwäsche nicht die passende Kleidung bei Minustemperaturen ist.

Faites vos jeux! Wolke 4+?-Hans

Hans ist klein, und wirkte dünn, als er mich in seinem Parka mit übergestülpter Kapuze begrüßte. Ich mag weder dünn noch klein – dünn war Hans zum Glück nicht, klein ja, aber ich trug auch Stiefel aus braunem Wildleder mit Absatz an diesem verregneten Sonntagabend. Hans und ich gingen Sushi essen und quatschten ähnlich, wie ich es mit Richard und Tom empfunden hatte, vertraut miteinander. Sobald wir Platz genommen hatten, lag mein Augenmerk auf jenen schönen braunen Augen, zudem schien Hans unheimlich schön klug, witzig und nicht stumpfsinnig. Wir verbrachten einen Abend, bei dem ich die Zeit vergaß, und an dessen Ende ich sowohl mein Essen als auch meine Drinks selbst bezahlen musste, und irgendwie fand ich das richtig blöd – wie war das noch mal mit der Emanzipation?

Hans konnte aber auch ein Gentleman sein (nachdem er meinen Groll bemerkt hatte), und bei unserem zweiten Treffen, holte er mich daheim ab, um mich in die Sauna zu geleiten sowie einzuladen. Zuvor schrieb Hans mir, dass ich seinem Arbeitskollegen gleich sagen solle (den er erst heimbringen musste), ich sei eine gute Freundin, woraufhin ich Hans zurückschrieb, dass ich unter Eid bekunden werde, ich sei seine Verlobte. So viel zu den Bindungsängsten von Männern, aber das ist ein anderes Thema, was nun viel zu weit führen würde.

Jedenfalls war da auf einmal und vollkommen unerwartet dieser kurze Moment des Blitzschlags! Als Hans aus dem Auto stieg und ich, diesmal mit flachen Boots bekleidet, nervös haspelte: „Hier ist meine Tasche.“ Wolke 7 ist ein durchtriebenes Arschloch, denn sie macht was sie will, und wann sie will. Wieso kribbelte es auf einmal in meinem Bauch? Jedenfalls verbrachten Hans und ich einen wunderschönen Saunaabend miteinander, und mir gefiel das alles sehr, was sich an diesem Abend so entblößte. Wolke Sex konnte ich mir mit Hans nun bildhaft vorstellen, und als wir da so im Whirlpool saßen und über Gott und die Welt redeten, und ich in diese warmen braunen Augen blickte, keimte da dieser Wunsch, dass Hans im Glück mich küsst. Am allerliebsten auf Wolke 7. An diesem Abend gab es keinen Kuss, keine Berührung oder Sonstiges – ob das so bleibt?

Roulette ist und bleibt ein Glücksspiel

Was Richard, Tom und Hans verbindet, ist, dass sie allesamt spannende und interessante Männer sind, denen ich auf wechselnden Wolkengraden begegnen durfte. Was wiederum dazu führte, dass sich meine Ansicht zum Blitzeinschlag analog zu meiner festgefahrenen Meinung hinsichtlich Internet-Dating geändert hat. Eine sehr lange Zeit habe ich Dates mit mir fremden Männern aus dem Internet kategorisch abgelehnt, doch das Leben ist ein scharfsinniger Lehrer, und lehrte mich ebenso, dass der Blitzeinschlag nicht zwingend in den ersten zehn Sekunden erfolgen muss. Er kann auch zu einem späteren Zeitpunkt einschlagen, und das gleichermaßen krachend. Das Wolken-Roulette dreht sich sowieso immerzu, und wie heißt es doch so schön: Neues Spiel, neues Glück.

Warum es mehr verletzt, wenn Männer sich „einfach nicht mehr melden“

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Vor kurzem habe ich einen Beitrag von Michael Nast gelesen mit dem Titel: „Der Grund, warum Männer sich einfach nicht mehr melden“. Gelesen, ein paar hämische Facebook Kommentare hinterlassen, aber irgendwie noch so überhaupt gar nicht durch mit dem Thema gewesen – daher vielen Dank, Herr Nast, für die Inspiration zu diesem Blogbeitrag.

Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass ich kein Fan von dieser Mann-Frau Pauschalisierung bin, jedoch existieren durchaus einige typische Verhaltensweisen je nach Geschlecht – so wie das von Herrn Nast thematisierte Männer-Phänomen des „einfach nicht mehr Melden“. Dieses sonderbare Verhalten wirft die Frage auf, was man eigentlich einer Person schuldig ist, mit der man geflirtet oder geschlafen hat.

Am meisten beeindruckt hat mich die Analyse-Kompetenz und Weitsicht von Herrn Nast. „Wir wollen die Frauen ja auch nicht verletzen. Die Wahrheit würde schließlich wehtun.“ Lieber Herr Nast, als mehrfach erprobte Frau auf diesem Gebiet muss ich Ihnen leider vehement widersprechen: Die Wahrheit tut gar nicht so weh – „Sich einfach nicht mehr melden“ hingegen schon!

Die Wahrheit ist eine Frage der Ehre

Herr Nast spricht in seinem Beitrag von ‚würdelosen’ Frauen, denn: „Mit jedem neuen Anruf verliert sie ein bisschen mehr ihrer Würde…“. Umgekehrt stellt sich mir die Frage: Seit wann ist eigentlich respektvoller Umgang keine Frage der Ehre mehr? Zusammengefasst haben mich drei Dinge verstimmt:

Sie legitimieren respektloses Verhalten
Ja – „sich einfach nicht mehr melden“ ist ein klarer Ausdruck von Desinteresse, jedoch ein feiger und respektloser. Diese Form des Ausdrucks hinterlässt Narben am Selbstwertgefühl und ist nicht ehrenhaft. Jeder Mensch verdient einen respektvollen Umgang.

Sie drehen den Moral-Spieß um
Hut ab, damit liegen sie derzeit im Trend. Ob Nora Illi oder Donald Trump – mit der vermeintlich richtigen Argumentation kann man selbst „einen Juden erschießen“ zur Heldentat deklarieren. Man hat schließlich von seinem Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung Gebrauch gemacht. Spaß beiseite, und zurück zu Ihnen. „Nicht-Melder sind die Ehrlicheren“ und „Nichts ist unattraktiver als eine Frau, die ihre Würde verloren hat“ – Sie verherrlichen ihr eigenes Fehlverhalten und werten Frauen pauschal als würdelos ab, nur weil sie eine Erklärung, und somit Respekt, einfordern?

Sie deklarieren Frauen zum Sexobjekt
Und was noch viel schlimmer ist, sie reduzieren Frauen darauf, und das nicht einmal sonderlich nett oder charmant. Doch wieder Gratulation – auch hierfür würde Ihnen Donald einen High Five klatschen! Ein praller Hintern eignet sich zu diesem Zwecke übrigens auch bestens, und wenn nicht: Grab her by the pussy!

Erst Honig schmieren und sich dann über Zuneigung wundern

Zum besseren Verständnis, und um mein allgemeines Blabla zu untermauern, möchte ich eine kleine Anekdote preisgeben (Berufskrankheit – Anm. der Red.).

Es war Sommer 2016. Die Tage waren lang und warm, und mein Herz offen. Ich hatte einen Termin mit einem PR-Berater vereinbart, der mir helfen sollte, meine Karriere im Untergrund als Schriftstellerin an die Oberfläche zu bringen. Eigentlich standen mir zu diesem Zeitpunkt keine finanziellen Mittel zur Verfügung, und schon mal gar nicht um eine PR-Agentur zu beauftragen, aber es hatte mich interessiert, was die so für mich machen könnten, und was mich so eine Dienstleistung kosten würde. Der erste Termin war kostenlos, und so schickte mir die Agentur aus Düsseldorf einen Außendienstmitarbeiter vorbei.
Es war 10 Uhr morgens, als ich meine Wohnungstür öffnete und dachte: Danke, lieber Gott! Für diesen schönen Mann, der mir fürsorglich in heimische Gemächer entsandt wurde. Eigentlich lautete mein Plan, mir abends jemanden aufzureißen, denn ich hatte länger keinen Sex gehabt (circa drei Monate – Anm. der Red.), und so richtig viel Lust darauf, und so war ich abends mit ein paar Freundinnen zum Feiern verabredet. Vorab, diesen Plan sollte Verwerfung heimsuchen.
Ich bat diesen attraktiven Außendienstmitarbeiter also hinein, servierte ihm einen Kaffee und so saßen wir an meinem Esstisch und führten ein Business-Gespräch. Ich zeigte ihm meine Homepage, meinen Blog und mein Unternehmerprojekt, und er teilte mir mit, was im Rahmen von SEO und Online Marketing alles möglich sei. Dieses Gespräch dauerte circa eine Stunde und ward begleitet von einer zauberhaften, erotischen Spannung, die schweigend in der Luft bebte.
Irgendwann bot mir der schöne Vertriebler das DU an, und ich erfuhr, dass er auf den Namen Vincent getauft war. Vincent – dieser Name! So schön wie er selbst, und so klangvoll wie die verführerische Stimme, mit der er seine Worte aussprach. Wir rückten einander unauffällig näher, und ich fragte ihn, ob ich noch einen zweiten Kaffee anbieten dürfte.
Er fragte, ob ich auch noch etwas anderes da hätte, und ich sagte, ich hätte noch etwas Sekt im Angebot. Vincent fand diesen Vorschlag gut, und ich als Teilzeit-Alkoholikerin sowieso. Leider befand sich nur noch ein kleiner Rest in der Flasche, aber es reichte, um zwei Sektgläser zur Hälfte zu füllen.
Wir saßen also wieder an meinem Esstisch, tranken Sekt und flirteten. Ich hatte eine Brandwunde am Arm – es war Sommer und ich trug ein ärmelloses Top – und plötzlich streichelte Vincent über jene Verletzung und erfragte den Ursprung. Ich erklärte ihm, dass sich dieser Unfall dank Unvernunft am Backofen ereignet hatte, und versank dabei zugleich in seinen unfassbar schönen Augen.
Die sexuelle Spannung erhöhte sich, und Vincent erfragte fortan ausschließlich Privates. Er sagte mir, dass er das alles total mutig findet, mit meinem Ausstieg und dem Buch und so, und dann zeigte er mir ein Video auf YouTube, auf dem er ein selbst komponiertes Klavierstück zum Besten gab. Wir redeten und redeten, und unsere Gesichter trennten zeitweise nur Zentimeter. Dann sagte ich ihm, dass er ein schönes Armband trage, woraufhin er dieses löste, und es mir umband mit den Worten, dass es mir viel besser steht. Ach, herrje, was drückte dieser schöne Mann treffsicher die richtigen romantischen Knöpfe!
Dann küssten wir uns und danach fielen wir ganz klassisch übereinander her. Wir rissen uns die Kleider vom Leib und schliefen miteinander. Wild, aber zugleich sanft und zärtlich. Nach dem Akt und einem schnell erlangtem Orgasmus verweilte ich auf meiner Couch in seinen Armen, jedoch hatten wir uns schon längst wieder bekleidet, so als hätten wir soeben etwas Verbotenes getan. Wir redeten und redeten wieder und dann fielen wir neuerlich übereinander her.
Beim zweiten Male gestaltete sich der Sex gänzlich anders, denn Vincent war völlig befreit und hemmungslos, und begann mich schlagartig mit einer seiner Hände an den Hals zu fassen und irgendwie zu würgen. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass sich jemand beim Sex eine dieser Praktiken bediente, und irgendwie war das ja alles sowieso schon ein bisschen verrückt und wie im Film – doch augenblicklich fühlte ich mich leibhaftig wie Anastasia in Shades of Grey. Nur, dass ich keinen Vertrag unterschrieben hatte, und so gar nicht wusste, was mich nun noch alles erwarten würde. Ich habe wohl etwas verstört drein geschaut, jedenfalls erfragte Vincent ganz schuldbewusst, ob alles in Ordnung sei, und es mir gut ginge. Ich nickte, und wir schliefen weiter miteinander, aber mit weniger Würgen. Man muss unbedingt dazu sagen, dass auch das Würgen zuvor nicht weh tat, aber es war eben sehr befremdlich für mich.
Vincent und ich trafen uns danach noch ein zweites Mal, er hatte mich in der nächsten Woche angerufen, und gefragt, ob ich daheim sei. Zur Begrüßung küsste er mich innig, und dann gingen wir zunächst im Wald spazieren mit meinem kleinen Hund. Vincent hielt meine Hand, und auf einem sandigen Weg blieb er inmitten des Waldes stehen, und flüsterte mir ins Ohr, dass er voll auf mich steht. Ich fühlte mich wie im siebten Himmel, und so dankte ich dem lieben Gott noch einmal, denn ich fand meinen schönen Vincent wirklich ausgesprochen charmant, zudem war er 30 Jahre alt, und somit nur drei und nicht fünf oder mehr Jahre jünger als dass ich es sonst gewohnt war. Gedanklich hielt ich die Notiz für mich fest, dass sich ein weißes Spitzenkleid optimal für eine Hochzeit mit Vincent eignen würde.
Vincent erzählte mir eine Menge von sich während des Spaziergangs. Von seinem Zwillingsbruder, seiner letzten Beziehung, bei der seine Freundin ihn hinterrücks mit seinem besten Freund betrogen hatte, und der liebe Gott erschien mir diesmal wirklich beeindruckend achtsam, denn von nun an würde Vincent ja mich haben, und ich würde ihm Derartiges nicht ein zweites Mal antun, und ihn ganz doll glücklich machen.
Als wir wieder daheim waren, sexelten wir in der Küche herum. Vincent setzte mich auf die Ablage, und küsste mich. Dann zog er mich aus, und ich ihn, und dann befriedigte er mich mit fingerfertiger Raffinesse, und erfragte: „Gefällt es dir, wie ich es dir besorge?“. Mir gefiel das sehr, was er da so tat, und dann befriedigte ich ihn ebenfalls händisch, und Vincent kam nach kurzer Zeit. Die Option miteinander zu schlafen, zogen wir beide nicht in Betracht, da ich meine Tage hatte. Also wir sprachen einfach gar nicht darüber und ließen die Dinge einfach so geschehen wie sie geschahen, und wir sprachen auch gar nicht über jenes Würgen vom letzten Mal, das diesmal nicht stattfand. Worüber wir hingegen sprachen war meine Lügenfähigkeit, denn Vincent hatte sich gemerkt, dass ich einen Tag, an dem es regnete, meine Sonnenschicht beim Kellnern abgesagt hatte, um ein EM-Spiel verfolgen zu können. Er fragte, ob ich kein Problem mit solchen Lügen hätte, woraufhin ich ihn ganz entsetzt angeschaut habe, denn irgendwie schwang da dieser unausgesprochene Vergleich zu seiner bösen Ex-Freundin mit, die jawohl bei was ganz anderem gelogen hatte. Und zwar bei einer Sache, bei welcher ich noch niemals gelogen habe, und den Schwur innehielt, auch niemals lügen zu wollen.
Jedenfalls verbrachten wir dann noch eine schöne Zeit auf dem Balkon, denn es war wirklich herrliches Wetter draußen. Wir lagen eng beisammen auf der Liege, kuschelten und Vincent sagte mir, dass er sich jeden Tag meine Instagrambilder angeschaut habe und ich sehr schön sei. Er sagte mir, dass er vor allem ein Video besonders gern und oft schaut, weil ich da so süß vor dem Spiegel tanze, und ich fragte mich, wieso er kein einziges Mal die Like-Taste betätigt hatte. Aber ich wollte nicht zickig sein, denn ich war auch gar nicht in einer zickigen Stimmung, sondern eher in einer glückseligen. Ich freute mich sehr, diesen charmanten, lieben und heißen Mann kennengelernt haben zu dürfen. So lagen wir also da und genossen den Augenblick, also ich zumindest, und dann musste ich grinsen, und Vincent fragte, was denn los sei. Daraufhin sagte ich „Nichts – finde das nur irgendwie so verrückt alles“, und dann küsste er mich wieder und sagte: „Das ist total verrückt, aber ich mag es.“ Sogleich wies ich dem Sekt die Schuld zu, aber Vincent antwortete: „Nein, auf gar keinen Fall – das wäre auch alles ohne den Sekt so gekommen!“ Er fügte noch hinzu, dass er ja schon wusste, dass ihm eine hübsche Frau die Tür öffnen würde, und seine Kollegin vorher noch einen Witz gemacht habe, dass ich ihm ganz schön gut gefallen könnte. Ich sagte ihm daraufhin, dass ich einen alten, dicken Mann erwartet hatte, da ich ihn nicht vorher gegoogelt hatte.
Irgendwann an diesem Tage fuhr Vincent fort, und seitdem habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Ich würdelose Frau (biete Würde gegen Ehre) habe ihm natürlich mehrfach geschrieben, und sogar ein paar Mal angerufen (da war ich aber betrunken und sehr einsam), denn ich habe überhaupt nicht verstanden, wieso Vincent plötzlich unsere unausgesprochene Hochzeit nicht einhalten wollte. Ich meine, woran lag es denn auf einmal, dass Vincent sich nicht mehr mit mir treffen wollte? An mir? Meiner Notlüge? Dem Würgen? Da hätten wir doch drüber reden können, beziehungsweise verhandeln. Einmal Würgen pro Helikopterausflug – aber noch mit Luft kriegen.

Einmal die schlimme Wahrheit, bitte!

Diese tragische Geschichte soll jedenfalls verdeutlichen, wie man sich als Frau fühlt, wenn man erst in den siebten Himmel gevögelt wird, und dann wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird. Um ehrlich zu sein, ist dieses Gefühl nicht sonderlich schön, und es kratzt hartnäckig am Ego. Vor allem, wenn man eben nicht einmal eine Erklärung oder offizielle Abfuhr bekommen hat, und einfach so abgetan wurde ohne jegliche menschliche Emotion.

Meine Co-Autorin Mary Green, mit der ich einen Singleratgeber mit weiteren lustigen Geschichten dieser Art verfasst habe („(K)eine Frau zum Verlieben – switch when you`re winning“ – Link zum Download: amzn.to/2fBriIR – Anm. der Red.)  sagt immer, dass ich alles klar und deutlich formulieren muss, weil Männer versteckte Botschaften nicht verstehen. Deshalb möchte ich abschließend noch einmal zusammenfassen, weshalb wir unbedingt die Wahrheit bevorzugen, anstelle von „sich einfach nicht mehr melden…“.

Wir fühlen uns miserabel – und nicht hundsmiserabel
Wenn du uns eine Abfuhr erteilst, mögen wir dich sicher auch eine Zeit lang nicht besonders gerne, aber du ersparst uns eine Menge Tränen, und Selbstzweifel. Denn „Nicht-Melden“, oder auch im Volksmund als Ignoranz bezeichnet, bedeutet, dass wir es dir nicht einmal wert sind, uns Respekt entgegenzubringen.

Wir vergessen dich schneller
Das erspart dir die nervigen Anrufe und Nachrichten, und uns eine Menge Zeit. Wir fangen nämlich schwer etwas Neues an, wenn gedanklich noch dein geflüstertes „Ich steh voll auf dich“ nachhallt. Deine Ignoranz führt nicht dazu, dass wir all deine leidenschaftlichen Küsse, Stöße und eben Worte vergessen. Vielmehr fragen wir uns die ganze Zeit, ob das alles bloß eine große Lüge war, um Sex zu bekommen, oder ob dein Begehren in irgendeinem Moment aufrichtig war.

Wir haben Klarheit, und wir mögen Klarheit
Wie gesagt, wir sind nicht gehirnlos – wir verstehen, dass ein „Nicht-Melden“ = „Kein Interesse“ bedeutet, aber wir würden halt gerne wissen, woran es gelegen hat. Hast du dich nicht wohl gefühlt, mochtest du unsere Persönlichkeit nicht, oder waren wir vielleicht langweilig im Bett? Sind wir dir nicht schön oder perfekt genug? Oder warst du schlicht und einfach nicht verliebt in uns? Mit Ignoranz hinterlässt du eine aufgerissene Schramme an unserem Ego, und denk doch auch mal an die ganzen, armen Kerle, die das wieder heile reden, küssen und vögeln müssen.

In Erinnerung an Vincent und Co. – und mitsamt Hoffnung auf Reflexion! Zuversichtliche Grüße, Sandra

Donald Trump – eine bitterharte Langzeitprüfung?

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Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, im deutschen Fernsehen wird der Einzug in den Krieg nach Syrien als bitterharte Langzeitprüfung verharmlost, und die AFD erhält nicht ausschließlich aufgrund von Frau Storchs Frisur Zuspruch. Menschen mit einem demokratischen Verständnis fragen sich völlig zurecht – was passiert da gerade mit unserer Welt und vor allem aber mit unseren Werten?

Nehmen wir zunächst den Superheld Trump. Muss ein amerikanischer Präsident nicht länger eine Vorbildfunktion repräsentieren? „Grab her by the pussy“ – danach sagt man mal kurz „Ich habe den allerhöchsten Respekt vor Frauen“, und schon ist die Aussage relativiert? Nukleare Waffen hat man nicht umsonst erfunden, und mit Putin geht er sicher überall essen, um zu debattieren – nur nicht zum Mexikaner. Muslime erhalten Einreiseverbot, weil sie alle durch die Bank böse und radikale Salafisten sind, und Waffen sind prädestiniert dafür, um sie im Wohnzimmerschrank neben der Rosenthal-Teekanne aufzubewahren.

Als Nächstes widmen wir uns Nora Illi. Eine Frau mit europäischen Wurzeln, die zum Islam konvertiert ist und sämtliche Frauenrechte, für die mutige Frauen jahrelang gekämpft haben, mit einem Nikab verschleiert. Eine Frau, welche die Vollverschleierung im Fernsehen mit ihrem Recht auf Selbstbestimmung und Freiheit begründet, und damit, dass sie anderen durch das Tragen des Nikabs keinen Schaden hinzufügt. Liebe Nora, exakt das tun Sie damit, denn Sie schaden immens und unfassbar nachhaltig dem Selbstwertgefühl einer Frau. Sie propagieren ein Frauenbild, bei der sich die Frau dem Mann samt ausschließlich seiner sexuellen Triebe unterordnet (Polygynie), und ihre eigene Sexualität unter einem Schleier versteckt. Von der Verharmlosung der Kriegspropaganda fange ich gar nicht erst an, sonst wird das hier ein ganzes Buch – und kein Blogbeitrag mehr.

Aller guten Dinge sind drei, daher machen wir noch kurz einen Abstecher nach Dresden, wo am Tag der deutschen Einheit Pegida-Anhänger altbewährte Schlachtrufe aus Hitlerzeiten skandieren. Die Polizei wünscht einen „erfolgreichen Tag“, und das selbsternannte Volk grölt „Volksverräter“. Die Freunde von der AFD ziehen gleichauf – Herr Gauland weiß nicht darum, was Adolf damals alles so gesagt und getan hat, und achtsame Journalisten weisen auf fragwürdige Zusammenhänge hin.

Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung und politischer Einstellung – danach leben Menschen mit einem demokratischen Verständnis, aber seien wir mal ehrlich: Unser demokratisches Verständnis wird derzeit maßlos strapaziert.

Diktatur, Unterdrückung von Meinungsfreiheit und Menschenrechten, Rassismus und gewaltverherrlichende Radikalisierung werden am Fließband verharmlost, und Werte wie Respekt und Toleranz einseitig missbraucht, um eigene politische Interessen zu verfolgen. Und was dabei am schlimmsten ist: Das alles erfolgt unter dem Deckmantel der Demokratie.

Wundersame Erkenntnis

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„Aber nur Sex…“, „Ich mag es gerne ab und an unkompliziert…“, „Wir können Spaß zusammen haben, wenn du das trennen kannst…“, „Schreib doch nicht immer sowas…“, „Du hast von Verlieben geredet…(#empörung)“ – insbesondere Aussagen wie die letzten beiden oder für gewöhnlich WhatsApp-Nachrichten ließen mich in den letzten Jahren, die ich als Single auf der Suche nach Liebe verbracht habe, wie eine Aussätzige fühlen, mit der irgendetwas nicht stimmt. Wie irgendjemand, der einem anderen Planeten entstammt – jemand, der in einem anderen Kosmos verweilt. Jetzt aber hat eine weltweite Studie anerkannter Professoren und Psychologen für Aufatmen gesorgt! Lest bitte selbst!

Jahrelang forschten und forschten sie, tief gehend und intensiv. Sie studierten männliches Balzverhalten, und weibliche Reaktionen – sowie weibliches Balzverhalten und männliche Reaktionen. Sie beobachteten Rationalität, diverse Formen der klassischen Konditionierung und rebellische Einsamkeit. Als Kontrapunkt studierten sie glückliche Paare, die einander mit Liebe und Respekt behandeln, und dann wiederum neuerlich die Singles, die jene Vereinigung nicht hinbekommen. Schlussendlich untersuchten sie geschlechtsspezifisch typische Verhaltensmuster, und konzentrierten sich dabei besonders auf die männlichen Mauern aus Granit (#unfassbar #hohe #schmelztemperatur), und nach all dem Forschen und Ergründen war sich die anerkannte Geistarmee doch tatsächlich einig geworden: Das Bedürfnis nach Liebe ist gesund!

Als ich von dieser wundersamen Erkenntnis erfuhr, atmete ich auf, und höre seitdem auf zu hinterfragen, was mit mir nicht stimmt, sondern hinterfrage stattdessen lieber, was mit denen nicht stimmt, die sogleich die Flucht ergreifen bei der kleinsten Andeutung hinsichtlich Gefühle, Zuneigung oder gar Liebe. Das ist nämlich ein vollkommen gesundes und natürliches Grundbedürfnis. Wer Leidenschaft und Feuer als liebeskrank deutet, und darüber hinaus denkt, man ist ihnen für den Rest des Lebens ergeben, nur weil man temporär die ungeschickte Absicht des Kennenlernen gehegt hat, befindet sich auf dem Holzweg. Treffen, Zeit miteinander verbringen, chillen – das alles ist nötig, um zu ergründen, ob das Bauchkribbeln anhält und nicht vielleicht nach zwei Wochen wieder erlischt, weil der Zauber längst wieder vorbei ist, da seine Performance außerhalb des Bettes möglichenfalls gar nicht an die von innerhalb heranreicht (#wobei #ziemlich #unwahrscheinlich #bei #derart #geballter #männlicher #selbstverliebtheit).

Ein weiteres wundersames Ergebnis der Studie sorgt desgleichen für Aufatmen: Das Bedürfnis nach Sex ist ebenfalls gesund. Frauen müssen sich also nicht länger wie aufblasbare Gummipuppen fühlen, sondern vielmehr als natürliches Mittel zum Zweck. Des Weiteren müssen wir uns auch nicht länger billig fühlen, wenn wir Sex ohne Liebe praktizieren. Ja, das soll vorkommen, nur bestreite ich persönlich jenes Unterfangen ein wenig rücksichtsvoller und weniger verletzend als der gewöhnlich umgekehrte Fall. Männer sind die Bösen. Punkt. Ausrufezeichen!

Nein, Männer sind nicht immer die Bösen (#schluss #jetzt #mit #der #ironie) und eigentlich mag ich überhaupt keine Mann/Frau Pauschalisierung (#no #klischeefrau), aber Ausnahmen bestätigen die Regel und Fakt ist: Pinguine können in der Wüste nicht schwimmen, und Meerjungfrauen auch nicht.

Pinguine können höchstens watscheln (#lustiger #anblick), und in dieser Hinsicht sind sie Meerjungfrauen überlegen, denn Meerjungfrauen sind bloß bewandt zu robben (#nicht #ohne #schürfwunden #blödes #schürfen), und selbst das nur für kurze Zeit, denn dann müssen sie wieder dringlichst hinein in ihr lebensnotwendiges Element namens Wasser – und zwar am besten in Begleitung eines tauchenden Pinguins! Letztendlich ist es gesünder, zwei gesunde Bedürfnisse zu befriedigen, und nicht bloß eines. Amen.

Widder bevorzugt – alles Humbug oder nichts als die Wahrheit?

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Nach eindringlicher Sternzeichen Analyse ist ein männlicher Widder der perfekte Partner für eine Löwin. Eine Kombination der beiden Feuerzeichen scheint perfekt – sie verspricht zwischenmenschlichen Konsens sowie hingebungsvolle Liebesspiele, getrieben von feuriger Leidenschaft. Tatsächlich funkte es bei mir schon das eine oder andere Mal mit einem Widder, doch liegt der Ursprung alldessen wahrhaftig in den Sternen begründet?

‚Löwen sind so idealistisch, dass man darüber weinen könnte. Selbst Löwen, die sich als Zyniker darstellen, sind im Herzen wahre Romantiker.‘

Das stimmt. Verkannt von den rationalen Menschen dieser Welt, wird die ungestüme Art der Löwen oftmals gänzlich fehlinterpretiert. Ja, wir jagen gerne, aber gleichzeitig liebt eine Löwe-Frau nichts mehr als erobert zu werden. Sie sucht nach einem wohlgesonnenen Widersacher, der ihr auf Augenhöhe begegnet. Der sie versteht und liebt. Der verrückt nach ihr ist und sie umschmeichelt. Jemand mit einem großen Herz, mindestens genauso groß wie ihr eigenes!

‚Kein anderes Tierkreiszeichen kann derart romantisch sein wie der Widder, denn er träumt von einer Beziehung wie aus einem Roman.‘

Wenn jemand desgleichen eine Beziehung dieser Art ersehnt, dann ganz sicher die Löwin! Sehen die Sterne genauso:

‚Das ist eine wundervolle Kombination, denn Sie können sich gegenseitig in Ihrer Fantasie bereichern und Spannung in Ihrer beider Leben bringen. Sie bleiben immer optimistisch, weil Sie dem großen Abenteuer des Lebens gemeinsam nachjagen.‘

Tatsächlich stimmt es unwiderruflich – ich mag Widder-Männer! Weshalb? Weil sie auf Feuer anspringen und Leidenschaft zu schätzen wissen, da sie selbst mehr als genug davon besitzen. Weil sie trotzdem eine starke Schulter anbieten, den Fels in der Brandung, der in kurzen Momenten der Schwäche von Nöten ist. Weil Widder einfach so herrlich stürmisch und teils ein klein wenig unbeholfen sind, was sie wiederum ausgesprochen liebenswert macht. Weil ein Widder-Mann einfach ist wie er ist, dem feurigen Liebhaber inbegriffen!

‚Change your destiny‘ ist der Name dieses Blogs, und er soll dazu anregen, sein eigenes Glück zu steuern. Im Rahmen unbegrenzter Möglichkeiten und unbeschwerter Träume, folglich zieht soeben gewonnene Erkenntnis eine gewichtige Frage nach sich: Sollte ich fortan ausschließlich Widder-Männer in mein Bett ähem Herz lassen?

Die Antwort erfolgt nicht erst zu Ende diese Beitrages, denn unnötig Spannung aufbauen wird überbewertet. Die Antwort erfolgt sogleich und lautet: Nein!

Ich war in meinem jungen Leben schon mehr als einmal verliebt gewesen, und mitunter in Sternzeichen fernab eines Widders. Jedoch immer in solche, die ebenso auf ihre Art zu einer Löwin passen. Bringt ein brüllender Löwe hinreichend Reife mit und verletzt seine geliebte Königin nicht in ihrem Stolz, regieren sie würdevoll ihr Königreich – Thron an Thron. Ein besonnener Waage-Mann beglückt die Löwin mit galanten Schmeicheleien, ein leidenschaftlicher Skorpion mit außergewöhnlich, um nicht zu sagen bombastisch gutem Sex und ein Zwilling mit einfallsreicher Flirt-Offensive.
Wie aber verhält es sich mit den Sternzeichen, die laut Recherche nicht zu einer Löwin passen? Ein Steinbock, eine Jungfrau oder ein Krebs-Mann? Löscht der Steinbock wirklich den königlichen Glanz aus und ist der Krebs wahrhaftig zu sensibel? Und ist die männliche Jungfrau mitnichten dazu befähigt, die Lebensfreude der Löwin zu entwickeln? So sehr ich an diese anregende Sternzeichen-Philosophie glauben will und so sehr ich mich in sämtlichen Beschreibungen mit Liebe zum Detail wieder erkenne, muss ich an dieser Stelle mahnend den Zeigefinger erheben.

Sternzeichen sind Sternzeichen und Charakter ist Charakter! Und Gefühle nunmal Gefühle!

Ein Schütze zum Beispiel passt laut Partneranalyse hervorragend zu mir, nichtsdestotrotz hatte ich erst überhaupt einen im Bett und das fühlte sich an wie ein Drehtag bei ‚Eis am Stiel‘. Die Chemie hingegen war ziemlich trocken, und ebenso gingen unsere Gespräche nicht über unsere Lieblingsserien hinaus. Tiefgang, intellektuelle Diskussionen – Fehlanzeige!

Was ich mithin letztlich mit diesem Beispiel verdeutlichen will, ist der Humbug, der dem Ganzen mitschwingt. Das Liebesglück ist nicht den Sternen geschuldet, sondern der Verbindung verschiedenster Kräfte. Anziehungskräfte, für die keine, und andere, für die Worte existieren. Humor zum Beispiel. Männer, die fernab vom Unterleib nachhaltig Eindruck hinterlassen haben, sind solche, mit denen ich gelacht habe. Und rein zufällig befindet sich darunter übrigens das eine oder andere Feuerzeichen…

„Lieber weniger Geld und mehr Zeit“

Annette macht immer so schöne Portraits – finde, jemand sollte auch mal eins über sie machen! Vielen Dank für den ausführlichen Beitrag!

Ruhrköpfe

„Bis zur Rente im Büro? Bloß nicht!“

Sandra mit ihrem Hund Wesley, Foto: privat

Ein wolkenbedeckter, milder Tag im Mai: An einem meiner liebsten Orte, dem Rombergpark, weht mir schon auf dem Parkplatz am Dortmunder Zoo der Fliederduft entgegen. Auf dem kurzen Weg zum Café Orchidee blüht der Rhododendron in allen Farben und Formen. Ich bin mit Sandra Vahle zum Interview verabredet.

Sandra ist die mittlere Tochter eines Lehrerpaars. Als Kind träumt sie von der Schauspielerei: „Mit der Haarbürste als Mikro übte ich damals vor dem Spiegel meine Oscar-Ansprache“, erzählt sie lachend. Ihre Kindheit und Jugend verbringt sie in ländlicher Umgebung. Tiere gehören zu ihrem Leben immer dazu. Ihr Berufswunsch wechselt über die Jahre zu Tierärztin und Stewardess.

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Über die Schizophrenie des Glücks und wie man sie mäßigen kann

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Das Glück und schizophren? Ein koketter Aprilscherz?

Bewusstseinsspaltung, weithin auch als Schizophrenie bekannt, schleicht sich oftmals heimtückisch an. Je nachdem, wie emotional der Patient gestrickt ist, kämpft er einen leidigen Kampf mit sich selbst und der eigenen Gefühlswelt. Schizophrenie ist nicht gleichzusetzen mit Ambivalenz, welche die Zerrissenheit unserer Gefühle und Bestrebungen desgleichen impliziert, doch war es für den Schweizer Psychiater Eugen Bleuler das Hauptsymptom. Darüber lässt sich sicher streiten, allerdings liegt die Essenz dieses Beitrages auf anderer Thematik. Genau genommen auf dem besorgniserregenden Krankheitsbild des Glücks!

Wie soll das Glück denn bitte schön schizophren sein können…

…mag manch einer just laut denken. Beglückend, erquickend, behaglich: Ja! Aber schizophren? Und ambivalent? Ambivalenz ist doch eigentlich Männersache. Erst umgarnt, beziehungsweise im befriedigendsten Falle, stößt er sie in den Himmel, ehe zeitnahe Besinnung erfolgt. Komplimente und Samen verlangen gerechte Verteilung. Aber zurück zur Waage der Seele. Schizophrene nehmen zwei Wirklichkeiten wahr, zum einen die reale und zum anderen eine gefärbte – gefärbt von Sinneseindrücken, Gefühlen und Erlebnissen. Nebst der Wahrnehmung verändert sich auch das Verhalten. Viele ziehen sich privat und beruflich zurück – manche sehen gar Dinge oder hören Stimmen, die nicht vorhanden sind. Gedanken wandeln orientierungslos, bloß noch bedingt steuerbar, bis hin zum Realitätsverlust.

Und all das soll auf das samtige Glück zutreffen? Fakt ist: Kein Mensch dieser Welt fühlt 24/7 Glück!

Meistens durchleben wir an ein und demselben Tag ambivalente Gefühlswelten. Gedanken mischen Realität und Schein. Alles in unserem Kopf, alles von uns selbst gepflanzt. Begossen von Regen, erhellt von Sonnenstrahlen und aufgewirbelt von Sturmböen. Nicht selten waltet so ein Wettertreiben mit einer Unberechenbarkeit, die schaurig gemein sein kann. Negativ als gleich positiv. Das schizophrene Glück kommt und geht und exakt diesen Teufelskreis spüre ich persönlich derzeit oft und intensiv.

Morgens tanze ich zu meinem Lieblingslied (#tryme) durch die Wohnung und zehn Minuten später übermannt mich Nachdenklichkeit. In Begleitung von einer Tasse Kaffee durchleuchte ich mein Leben und frage mich, ob das alles so richtig ist. Die Art und Weise, wie ich lebe. Vor zwei Jahren kündigte ich meinen sicheren und gut bezahlten Bürojob, um fortan einem Traum zu folgen: Ich schreibe und verdiene Geld damit – die Kellnerjobs bieten später lustige Anekdoten für Oprah. Faktisch betrachtet bedeutet das in Summe weniger Geld und mehr Zeit. Wertvolle Zeit, um weitere Bücher zu schreiben und spaßbringende Geschäftsideen zu ergründen, aber ebenso um mich mit Freunden zu treffen, ein gutes Buch zu lesen oder eine Gesichtsmaske aufzutragen. Ich bin glücklich mit meinem Leben, zufrieden, und versuche jeden Moment zu genießen.

Und doch ersucht sie mich heimtückisch – die Schizophrenie des Glücks! Urplötzlich werde ich wütend. Wütend und vielmehr traurig – auf die Welt und vor allem aber auf mich selbst. Weil mir noch keine geniale Marketingaktion für mein erstes Buch gelungen ist und ich nicht längst viel weiter mit dem zweiten bin. Dann kommen diese fiesen Selbstzweifel, denn es flattert nicht jeden Tag eine enthusiastische E-Mail oder Fünf-Sterne-Rezension herein, die effizienter als jedes Glas Sekt prickelt. Nein, denn da gibt es genauso die aneinandergereihten Tage, an denen ich kein einziges Buch verkaufe, und dann bin ich frustriert und hinterfrage mich kritisch, meine Schreibkompetenz inbegriffen. Ähnlich verhält es sich mit der lieben Liebe, auch hier nehme ich die eigene Kompetenz öfter mal ins Kreuzverhör. Zeige ich ihm zu wenig oder zu sehr, dass ich ihn mag? Diese Frage setzt voraus, dass es jemanden gibt, den ich mag. Manchmal ist da niemand, manchmal schwirren mir mehrere im Kopf herum. Meistens jedoch ist es nur ein Einziger und ich vermute jedes Mal waghalsig die große Liebe. Träume verzückt von einer gemeinsamen Zukunft und gebe unseren zehn ungeborenen Kindern Namen. Donnerstagabends erscheint mir mein Singledasein gütig, montagabends einsam. Ich liebe es zu flirten und finde es wahnsinnig aufregend, Feuer zu fangen. Geküsst oder vielleicht sogar verführt zu werden. Zurück zu Montagabend. Läuft „Bauer sucht Frau“, sehne ich mich unwiderruflich nach Liebe anstelle alkoholisierter Flirts. Am allerschlimmsten darbt jenes Verlangen morgens. Wenn ich alleine aufwache und keine wohlgeratene Männerbrust neben mir liegt, in die ich mich nestelnd einkuscheln kann. Dann weine ich Engelstränen um einen Wolke 7 – Mann!

Sind wir nicht eigentlich am Leben, um zu lieben und zu sein?

Trefflicher als Andreas Bourani kann man die simple Formel hinein ins Glück wohl nicht auf den Punkt bringen, doch faktische Weisheiten sind bisweilen einfacher gesungen als gelebt. Denn bisweilen macht dieses wibbelige Gespinst namens Glück, was es will und man selbst hadert mit dem penetrierenden Gefühl gänzlichen Kontrollverlusts. Schließlich folge ich ja seit geraumer Zeit konsequent der reinen Stimme meines Herzens, um jenen inneren Frieden mitsamt dieser eigentümlichen Glückseligkeit zu finden, doch will mir der Sieg nicht gelingen. Jedenfalls nicht durchweg.

Aber ist das nicht auch utopisch? Ängste, Schmerz und Trauer gehören zum Leben und Lieben dazu – ohne Regen erstrahlt kein Regenbogen dieser Welt! Die alles entscheidende Frage muss deshalb doch lauten, wie sich die Schizophrenie des Glücks mäßigen lässt. Wie man die Wetterfühligkeit so konditioniert, dass ein wunderschönes Blumenbeet in voller Pracht erblühen kann und ein Regenbogen fulminanten Zauber versprüht.

Mir geht es stets besser, wenn ich mir Plan Z, Y und X vors Auge führe. Sprich längst vergangene Alternativen zu meinem jetzigen Leben mit all seinen Stützpfeilern. Insbesondere jene, die nicht im Einklang mit dem eigenen Herzen waren. Single zu sein, erscheint mir stur, obgleich mit leidenschaftlichen Liebschaften gespickt, nicht erfüllend, dennoch fühle ich mich damit wohler als mit einer entliebten Beziehung. So lange mein Herz befähigt ist zu lieben, werde ich nicht kapitulieren! Und die Kombination „Schreiben / Leben / Träumen“ bereitet mir unbestritten mehr Spaß als Exceltabellen anzufertigen, massenhaft unwichtige E-Mails zu verfassen und grotesken Telefonkonferenzen beizuwohnen.

Mit mir selbst im Reinen zu sein, lässt mich meinen Glücksweg wohliger tapsen. Ich möchte Zeit in die Projekte investieren, für die ich brenne und meine fixen Kosten gesichert wissen. Desgleichen möchte ich weiter an meinen Wolke 7 – Mann glauben, an den Seelenverwandten, der mich versteht, mag und beglückt. So manch eine Verletzung erschwert dieses Unterfangen nachhaltig und somit sind wir wieder beim Hinterfragen dieses verflixten Selbstwertgefühls. „Sei nicht so hart zu dir selbst, es ist ok, wenn du fällst“, höre ich Andreas Bourani an dieser Stelle singen!

Ja, es ist ok! Denn genau das kann passieren, wenn man anfängt Risiken einzugehen. Aber anstatt sich zu bemitleiden, könnte man ja auch einfach mal stolz auf sich sein, dass man etwas gewagt hat. Was riskiert hat. Es ist nicht verwerflich, die Person des Herzens spüren zu lassen, dass man sie gerne mag. Mit stöhnendem oder tränenreichem Ausgang. Beruflich eine Veränderung zu wagen, mit bereicherndem Ausgang. Wenn wir aufhören zu vertrauen, versiegt die Menschlichkeit.

Finde deine Stimme

Ängste lähmen, Zutrauen gewährt Hoffnung. Nebst Andreas Texten bewundere ich seine wunderschöne Stimme, die ich euch gerne leihen würde, aber ich befürchte, um eure Schizophrenie des Glücks zu mäßigen, müsst ihr die eigene verwalten. Hört was sie sagt und folgt ihr lauschig! Ich lasse mich von Bruchlandungen nicht länger entmutigen, in gewisser Weise erfüllen sie sogar ihren Zweck, denn sie erinnern mich jedes Mal daran, an mich selbst zu glauben. Daran, dass es zwingend notwendig ist, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Zu kämpfen, aber nicht den Spaß aus den Augen zu verlieren. Abschließen möchte ich diesen Beitrag gemeinsam mit meinem zukünftigen Ehemann, der nach dem Lesen spontan das Aufgebot bestellt hat: Ein Hoch, auf das, was vor uns liegt! Kommt mithin nicht auf Scherben zum Stehen – es sei denn, ihr habt Botox in den Füßen.

Ein Gespräch an der Bar

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„Noch eins bitte!“
„Hast du nicht schon genug?“
„Nein.“
„Weshalb betrinken wir uns denn so – also wenn man fragen darf?“
„Darf man nicht…“
„Oha – so eine nette Dame mittleren Alters und so viel Frust! Wie heißt der Mistkerl?“
„Gesellschaft…“
„Wie bitte?“
„Komischer Name, was?“
„Waren seine Eltern Kommunisten?“
Es war das erste Mal seit Wochen, nein seit Monaten, dass sie lächelte.
„Wer sagt denn, dass sie tot sind?“
„Oke, dann leben sie halt noch!“
Zielsicher platzierte der in die Jahre gekommene Barkeeper das Bier.
„Danke!“
„Und was genau hat dieser Schweinehund dir angetan?“
„Er ist ungerecht! Scheissen verdammt nochmal ungerecht…!“
Skeptisch zog der Barkeeper die buschigen Augenbrauen nach oben.
„Er belohnt die falschen Dinge!“
„Tun das nicht alle Männer?“
„Nein – zum Glück nicht, ein paar Goldschätze bilden die Ausnahme.“
„Was genau belohnt ER denn nicht?“
„Herzarbeit, Mut und Selbstdisziplin!“
„Und was belohnt er?“
„Moralverfall, Konditionierung und Persönlichkeitsverlust.“
„Puh – ganz schön gewissenlos…“
„Kannste wohl laut sagen – ach mir fällt noch so viel mehr ein, allen voran Umweltverschmutzung, Bürokratie und seelenlose Zeitverschwendung.“
„Was für ein übler Mistkerl – vergiss den bloß ganz schnell!“
„Das sagst du so leicht – kostet ganz schön viel Kraft!“
„Jetzt hör mir mal zu, mein Täubchen – andere Mütter haben auch schöne Söhne!“
„Die will ich aber nicht…“
„Dann musst du kämpfen! Also jedenfalls so lange du noch genug Liebe spürst…“
„Hier und da entsendet er mir kleine, aber feine mutmachende Zeichen…“
„Siehst du – dann mach was draus!“
„Das klingt so einfach aus deinem Mund!“
„Ich bin ein alter aber dafür ausgesprochen weiser Mann!“
„Trinkst du einen Tequila mit mir?“
„Sehr gern, mein Täubchen – mit Salz und Zitrone oder Zimt und Orange?“
„Was hältst du von Zucker und Apfel?“
Jetzt musste der Barkeeper lächeln.
„Zucker haben wir im Überfluss vorrätig und sogleich werde ich in die Küche entschwinden und nach Äpfeln Ausschau halten! Falls ich in fünf Minuten nicht wieder hier sein sollte, bitte auf keinen Fall fortgehen – irgendwo in diesem wundervoll fruchtbaren Land muss es ja schließlich Apfelbäume geben!“

Wunsch ans Universum

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Meine Freundin hat gesagt, wenn man etwas ganz ganz doll ersehnt, dann muss man sich das beim Universum wünschen und wenn man das dann macht, dann soll man (frau) seine Wünsche so detailliert wie möglich formulieren.

Gesagt, getan!

Liebes Universum,
Ich wünsche mir ganz ganz doll und herzallersehnlichst einen Mann an meiner Seite! (Sie meint einen festen Freund – Anm. d. Red.)
Allerdings nicht irgendeinen, sondern denjenigen, der Schmetterlinge generiert. Bezirzend, vielfältig und wibbelig! Dessen Nähe mich nervös und rot werden lässt und den ich fünf Minuten nach Entschwinden bereits wieder vermisse. Und zwar so sehr, dass ich ihm am allerliebsten direkt eine Nachricht senden möchte. (Was gelegentlich erfolgen könnte – Anm. d. Red.)
Das Alter meines ersehnten Mannes spielt eigentlich keine großartig gewichtige Rolle, aber da das Universum ja nicht hellsehen kann, soll er bitte zwischen 28 und 38 Jahren alt sein. (Abweichungen sind angesichts ihrer jugendlichen Erscheinung akzeptabel – Anm. d. Red.)
Viel wichtiger als das Alter ist aber die Tatsache, dass es eben ein Wolke 7 – Mann sein muss! Ich mag nämlich keinen Wolke 4 – Mann haben, gleichwohl der letzte Wolke 7 – Mann mich mitsamt meinem waghalsigen Glauben an die Liebe tief erschüttert und verletzt hat, und ich zwei Wochen lang jeden Tag wegen ihm weinen musste. (Einmal sogar während eines trostspendenden Beischlafes, keine ihrer Glanzstunden – Anm. d. Red.)
Ansonsten habe ich eigentlich keine außergewöhnlichen oder utopischen Anforderungen, ich will einfach nur ganz normal wieder abends mit Mr. Right zusammen eine Pizza aus dem Pappkarton essen und dabei einen Film schauen. Oder eine Serie. Im Fernsehen oder auf DVD. Und danach Sex haben. Oder davor. Oder dabei. Guten Sex, keinen schlechten. (Ein Orgasmus wäre nett – Anm. d. Red.)
Er sollte kein Tierhasser sein und meinen Hund mögen. Mein Hund ist zwar ein bisschen frech und auch nicht sonderlich gut erzogen, aber er ist ein lieber Hund und hat ein großes Herz und gibt und braucht viel Liebe und Zuneigung. (So wie das Frauchen – Anm. d. Red.)
Er sollte nicht lange fackeln, wenn er mich trifft und sich ein klein wenig um mich bemühen und vielleicht ab und an süße Sachen machen, wie zum Beispiel einen Milchshake oder sowas. (Wenn sie mal krank ist, gerne auch einen Tee – Anm. d. Red.)
Er sollte mich zum Lachen bringen. (Lachen macht schön und manchmal plagen sie Komplexe – Anm. d. Red.)
Er sollte eine eigenständige Person bleiben wollen und kein Anhängsel, aber bitte kein Narzisst. (Antennen wären fein – Anm. d. Red.)
Er sollte meinen träumerischen Lebensstil akzeptieren und mir keine doofen Fragen zu meiner Rente stellen. (Es lebe die Freiheit – Anm. d. Red.)
Er sollte gerne Morgensex mögen, denn das ist ein erquicklicher Start in den Tag. (Sie ist jetzt drei Jahre Single nach einer fünfjährigen Beziehung, und ihr fehlt es markerschütternd, in einer gewissen Regelmäßigkeit von dem nestelnden Bonbon aus Wurst geweckt zu werden  – Anm. d. Red.)
Hin und wieder darf er auch mit anderen Frauen flirten, aber niemals respektlos, sprich in meiner Gegenwart, und während eines Flirts oder spätestens danach sollte er wieder alleinig an mich denken und auf keinen Fall erwägen fremdzugehen. (Untreue ist für die Löwin unverzeihlich – Anm. d. Red.)
So, das war`s eigentlich schon! (Ein guter Charakter schadet auch nicht, innere Werte und so – Anm. d. Red.)
Also liebes Universum, bitte entsende mir meinen Wolke 7 – Mann gerne innerhalb der nächsten Wochen, allerspätestens aber unbedingt vor meinem 34. Geburtstag (6. August 2016 – Anm. d. Red.), denn diesen würde ich gerne irgendwo am Strand zelebrieren. Mit einer Flasche Rosé-Champagner, selbstbelegten Sandwiches mit Käse und Schinken und ein paar Erdbeeren. Zusammen mit IHM.
Vielen Dank im Voraus und liebe Grüsse Sandra