Warum es mehr verletzt, wenn Männer sich „einfach nicht mehr melden“

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Vor kurzem habe ich einen Beitrag von Michael Nast gelesen mit dem Titel: „Der Grund, warum Männer sich einfach nicht mehr melden“. Gelesen, ein paar hämische Facebook Kommentare hinterlassen, aber irgendwie noch so überhaupt gar nicht durch mit dem Thema gewesen – daher vielen Dank, Herr Nast, für die Inspiration zu diesem Blogbeitrag.

Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass ich kein Fan von dieser Mann-Frau Pauschalisierung bin, jedoch existieren durchaus einige typische Verhaltensweisen je nach Geschlecht – so wie das von Herrn Nast thematisierte Männer-Phänomen des „einfach nicht mehr Melden“. Dieses sonderbare Verhalten wirft die Frage auf, was man eigentlich einer Person schuldig ist, mit der man geflirtet oder geschlafen hat.

Am meisten beeindruckt hat mich die Analyse-Kompetenz und Weitsicht von Herrn Nast. „Wir wollen die Frauen ja auch nicht verletzen. Die Wahrheit würde schließlich wehtun.“ Lieber Herr Nast, als mehrfach erprobte Frau auf diesem Gebiet muss ich Ihnen leider vehement widersprechen: Die Wahrheit tut gar nicht so weh – „Sich einfach nicht mehr melden“ hingegen schon!

Die Wahrheit ist eine Frage der Ehre

Herr Nast spricht in seinem Beitrag von ‚würdelosen’ Frauen, denn: „Mit jedem neuen Anruf verliert sie ein bisschen mehr ihrer Würde…“. Umgekehrt stellt sich mir die Frage: Seit wann ist eigentlich respektvoller Umgang keine Frage der Ehre mehr? Zusammengefasst haben mich drei Dinge verstimmt:

Sie legitimieren respektloses Verhalten
Ja – „sich einfach nicht mehr melden“ ist ein klarer Ausdruck von Desinteresse, jedoch ein feiger und respektloser. Diese Form des Ausdrucks hinterlässt Narben am Selbstwertgefühl und ist nicht ehrenhaft. Jeder Mensch verdient einen respektvollen Umgang.

Sie drehen den Moral-Spieß um
Hut ab, damit liegen sie derzeit im Trend. Ob Nora Illi oder Donald Trump – mit der vermeintlich richtigen Argumentation kann man selbst „einen Juden erschießen“ zur Heldentat deklarieren. Man hat schließlich von seinem Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung Gebrauch gemacht. Spaß beiseite, und zurück zu Ihnen. „Nicht-Melder sind die Ehrlicheren“ und „Nichts ist unattraktiver als eine Frau, die ihre Würde verloren hat“ – Sie verherrlichen ihr eigenes Fehlverhalten und werten Frauen pauschal als würdelos ab, nur weil sie eine Erklärung, und somit Respekt, einfordern?

Sie deklarieren Frauen zum Sexobjekt
Und was noch viel schlimmer ist, sie reduzieren Frauen darauf, und das nicht einmal sonderlich nett oder charmant. Doch wieder Gratulation – auch hierfür würde Ihnen Donald einen High Five klatschen! Ein praller Hintern eignet sich zu diesem Zwecke übrigens auch bestens, und wenn nicht: Grab her by the pussy!

Erst Honig schmieren und sich dann über Zuneigung wundern

Zum besseren Verständnis, und um mein allgemeines Blabla zu untermauern, möchte ich eine kleine Anekdote preisgeben (Berufskrankheit – Anm. der Red.).

Es war Sommer 2016. Die Tage waren lang und warm, und mein Herz offen. Ich hatte einen Termin mit einem PR-Berater vereinbart, der mir helfen sollte, meine Karriere im Untergrund als Schriftstellerin an die Oberfläche zu bringen. Eigentlich standen mir zu diesem Zeitpunkt keine finanziellen Mittel zur Verfügung, und schon mal gar nicht um eine PR-Agentur zu beauftragen, aber es hatte mich interessiert, was die so für mich machen könnten, und was mich so eine Dienstleistung kosten würde. Der erste Termin war kostenlos, und so schickte mir die Agentur aus Düsseldorf einen Außendienstmitarbeiter vorbei.
Es war 10 Uhr morgens, als ich meine Wohnungstür öffnete und dachte: Danke, lieber Gott! Für diesen schönen Mann, der mir fürsorglich in heimische Gemächer entsandt wurde. Eigentlich lautete mein Plan, mir abends jemanden aufzureißen, denn ich hatte länger keinen Sex gehabt (circa drei Monate – Anm. der Red.), und so richtig viel Lust darauf, und so war ich abends mit ein paar Freundinnen zum Feiern verabredet. Vorab, diesen Plan sollte Verwerfung heimsuchen.
Ich bat diesen attraktiven Außendienstmitarbeiter also hinein, servierte ihm einen Kaffee und so saßen wir an meinem Esstisch und führten ein Business-Gespräch. Ich zeigte ihm meine Homepage, meinen Blog und mein Unternehmerprojekt, und er teilte mir mit, was im Rahmen von SEO und Online Marketing alles möglich sei. Dieses Gespräch dauerte circa eine Stunde und ward begleitet von einer zauberhaften, erotischen Spannung, die schweigend in der Luft bebte.
Irgendwann bot mir der schöne Vertriebler das DU an, und ich erfuhr, dass er auf den Namen Vincent getauft war. Vincent – dieser Name! So schön wie er selbst, und so klangvoll wie die verführerische Stimme, mit der er seine Worte aussprach. Wir rückten einander unauffällig näher, und ich fragte ihn, ob ich noch einen zweiten Kaffee anbieten dürfte.
Er fragte, ob ich auch noch etwas anderes da hätte, und ich sagte, ich hätte noch etwas Sekt im Angebot. Vincent fand diesen Vorschlag gut, und ich als Teilzeit-Alkoholikerin sowieso. Leider befand sich nur noch ein kleiner Rest in der Flasche, aber es reichte, um zwei Sektgläser zur Hälfte zu füllen.
Wir saßen also wieder an meinem Esstisch, tranken Sekt und flirteten. Ich hatte eine Brandwunde am Arm – es war Sommer und ich trug ein ärmelloses Top – und plötzlich streichelte Vincent über jene Verletzung und erfragte den Ursprung. Ich erklärte ihm, dass sich dieser Unfall dank Unvernunft am Backofen ereignet hatte, und versank dabei zugleich in seinen unfassbar schönen Augen.
Die sexuelle Spannung erhöhte sich, und Vincent erfragte fortan ausschließlich Privates. Er sagte mir, dass er das alles total mutig findet, mit meinem Ausstieg und dem Buch und so, und dann zeigte er mir ein Video auf YouTube, auf dem er ein selbst komponiertes Klavierstück zum Besten gab. Wir redeten und redeten, und unsere Gesichter trennten zeitweise nur Zentimeter. Dann sagte ich ihm, dass er ein schönes Armband trage, woraufhin er dieses löste, und es mir umband mit den Worten, dass es mir viel besser steht. Ach, herrje, was drückte dieser schöne Mann treffsicher die richtigen romantischen Knöpfe!
Dann küssten wir uns und danach fielen wir ganz klassisch übereinander her. Wir rissen uns die Kleider vom Leib und schliefen miteinander. Wild, aber zugleich sanft und zärtlich. Nach dem Akt und einem schnell erlangtem Orgasmus verweilte ich auf meiner Couch in seinen Armen, jedoch hatten wir uns schon längst wieder bekleidet, so als hätten wir soeben etwas Verbotenes getan. Wir redeten und redeten wieder und dann fielen wir neuerlich übereinander her.
Beim zweiten Male gestaltete sich der Sex gänzlich anders, denn Vincent war völlig befreit und hemmungslos, und begann mich schlagartig mit einer seiner Hände an den Hals zu fassen und irgendwie zu würgen. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass sich jemand beim Sex eine dieser Praktiken bediente, und irgendwie war das ja alles sowieso schon ein bisschen verrückt und wie im Film – doch augenblicklich fühlte ich mich leibhaftig wie Anastasia in Shades of Grey. Nur, dass ich keinen Vertrag unterschrieben hatte, und so gar nicht wusste, was mich nun noch alles erwarten würde. Ich habe wohl etwas verstört drein geschaut, jedenfalls erfragte Vincent ganz schuldbewusst, ob alles in Ordnung sei, und es mir gut ginge. Ich nickte, und wir schliefen weiter miteinander, aber mit weniger Würgen. Man muss unbedingt dazu sagen, dass auch das Würgen zuvor nicht weh tat, aber es war eben sehr befremdlich für mich.
Vincent und ich trafen uns danach noch ein zweites Mal, er hatte mich in der nächsten Woche angerufen, und gefragt, ob ich daheim sei. Zur Begrüßung küsste er mich innig, und dann gingen wir zunächst im Wald spazieren mit meinem kleinen Hund. Vincent hielt meine Hand, und auf einem sandigen Weg blieb er inmitten des Waldes stehen, und flüsterte mir ins Ohr, dass er voll auf mich steht. Ich fühlte mich wie im siebten Himmel, und so dankte ich dem lieben Gott noch einmal, denn ich fand meinen schönen Vincent wirklich ausgesprochen charmant, zudem war er 30 Jahre alt, und somit nur drei und nicht fünf oder mehr Jahre jünger als dass ich es sonst gewohnt war. Gedanklich hielt ich die Notiz für mich fest, dass sich ein weißes Spitzenkleid optimal für eine Hochzeit mit Vincent eignen würde.
Vincent erzählte mir eine Menge von sich während des Spaziergangs. Von seinem Zwillingsbruder, seiner letzten Beziehung, bei der seine Freundin ihn hinterrücks mit seinem besten Freund betrogen hatte, und der liebe Gott erschien mir diesmal wirklich beeindruckend achtsam, denn von nun an würde Vincent ja mich haben, und ich würde ihm Derartiges nicht ein zweites Mal antun, und ihn ganz doll glücklich machen.
Als wir wieder daheim waren, sexelten wir in der Küche herum. Vincent setzte mich auf die Ablage, und küsste mich. Dann zog er mich aus, und ich ihn, und dann befriedigte er mich mit fingerfertiger Raffinesse, und erfragte: „Gefällt es dir, wie ich es dir besorge?“. Mir gefiel das sehr, was er da so tat, und dann befriedigte ich ihn ebenfalls händisch, und Vincent kam nach kurzer Zeit. Die Option miteinander zu schlafen, zogen wir beide nicht in Betracht, da ich meine Tage hatte. Also wir sprachen einfach gar nicht darüber und ließen die Dinge einfach so geschehen wie sie geschahen, und wir sprachen auch gar nicht über jenes Würgen vom letzten Mal, das diesmal nicht stattfand. Worüber wir hingegen sprachen war meine Lügenfähigkeit, denn Vincent hatte sich gemerkt, dass ich einen Tag, an dem es regnete, meine Sonnenschicht beim Kellnern abgesagt hatte, um ein EM-Spiel verfolgen zu können. Er fragte, ob ich kein Problem mit solchen Lügen hätte, woraufhin ich ihn ganz entsetzt angeschaut habe, denn irgendwie schwang da dieser unausgesprochene Vergleich zu seiner bösen Ex-Freundin mit, die jawohl bei was ganz anderem gelogen hatte. Und zwar bei einer Sache, bei welcher ich noch niemals gelogen habe, und den Schwur innehielt, auch niemals lügen zu wollen.
Jedenfalls verbrachten wir dann noch eine schöne Zeit auf dem Balkon, denn es war wirklich herrliches Wetter draußen. Wir lagen eng beisammen auf der Liege, kuschelten und Vincent sagte mir, dass er sich jeden Tag meine Instagrambilder angeschaut habe und ich sehr schön sei. Er sagte mir, dass er vor allem ein Video besonders gern und oft schaut, weil ich da so süß vor dem Spiegel tanze, und ich fragte mich, wieso er kein einziges Mal die Like-Taste betätigt hatte. Aber ich wollte nicht zickig sein, denn ich war auch gar nicht in einer zickigen Stimmung, sondern eher in einer glückseligen. Ich freute mich sehr, diesen charmanten, lieben und heißen Mann kennengelernt haben zu dürfen. So lagen wir also da und genossen den Augenblick, also ich zumindest, und dann musste ich grinsen, und Vincent fragte, was denn los sei. Daraufhin sagte ich „Nichts – finde das nur irgendwie so verrückt alles“, und dann küsste er mich wieder und sagte: „Das ist total verrückt, aber ich mag es.“ Sogleich wies ich dem Sekt die Schuld zu, aber Vincent antwortete: „Nein, auf gar keinen Fall – das wäre auch alles ohne den Sekt so gekommen!“ Er fügte noch hinzu, dass er ja schon wusste, dass ihm eine hübsche Frau die Tür öffnen würde, und seine Kollegin vorher noch einen Witz gemacht habe, dass ich ihm ganz schön gut gefallen könnte. Ich sagte ihm daraufhin, dass ich einen alten, dicken Mann erwartet hatte, da ich ihn nicht vorher gegoogelt hatte.
Irgendwann an diesem Tage fuhr Vincent fort, und seitdem habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Ich würdelose Frau (biete Würde gegen Ehre) habe ihm natürlich mehrfach geschrieben, und sogar ein paar Mal angerufen (da war ich aber betrunken und sehr einsam), denn ich habe überhaupt nicht verstanden, wieso Vincent plötzlich unsere unausgesprochene Hochzeit nicht einhalten wollte. Ich meine, woran lag es denn auf einmal, dass Vincent sich nicht mehr mit mir treffen wollte? An mir? Meiner Notlüge? Dem Würgen? Da hätten wir doch drüber reden können, beziehungsweise verhandeln. Einmal Würgen pro Helikopterausflug – aber noch mit Luft kriegen.

Einmal die schlimme Wahrheit, bitte!

Diese tragische Geschichte soll jedenfalls verdeutlichen, wie man sich als Frau fühlt, wenn man erst in den siebten Himmel gevögelt wird, und dann wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird. Um ehrlich zu sein, ist dieses Gefühl nicht sonderlich schön, und es kratzt hartnäckig am Ego. Vor allem, wenn man eben nicht einmal eine Erklärung oder offizielle Abfuhr bekommen hat, und einfach so abgetan wurde ohne jegliche menschliche Emotion.

Meine Co-Autorin Mary Green, mit der ich einen Singleratgeber mit weiteren lustigen Geschichten dieser Art verfasst habe („(K)eine Frau zum Verlieben – switch when you`re winning“ – Link zum Download: amzn.to/2fBriIR – Anm. der Red.)  sagt immer, dass ich alles klar und deutlich formulieren muss, weil Männer versteckte Botschaften nicht verstehen. Deshalb möchte ich abschließend noch einmal zusammenfassen, weshalb wir unbedingt die Wahrheit bevorzugen, anstelle von „sich einfach nicht mehr melden…“.

Wir fühlen uns miserabel – und nicht hundsmiserabel
Wenn du uns eine Abfuhr erteilst, mögen wir dich sicher auch eine Zeit lang nicht besonders gerne, aber du ersparst uns eine Menge Tränen, und Selbstzweifel. Denn „Nicht-Melden“, oder auch im Volksmund als Ignoranz bezeichnet, bedeutet, dass wir es dir nicht einmal wert sind, uns Respekt entgegenzubringen.

Wir vergessen dich schneller
Das erspart dir die nervigen Anrufe und Nachrichten, und uns eine Menge Zeit. Wir fangen nämlich schwer etwas Neues an, wenn gedanklich noch dein geflüstertes „Ich steh voll auf dich“ nachhallt. Deine Ignoranz führt nicht dazu, dass wir all deine leidenschaftlichen Küsse, Stöße und eben Worte vergessen. Vielmehr fragen wir uns die ganze Zeit, ob das alles bloß eine große Lüge war, um Sex zu bekommen, oder ob dein Begehren in irgendeinem Moment aufrichtig war.

Wir haben Klarheit, und wir mögen Klarheit
Wie gesagt, wir sind nicht gehirnlos – wir verstehen, dass ein „Nicht-Melden“ = „Kein Interesse“ bedeutet, aber wir würden halt gerne wissen, woran es gelegen hat. Hast du dich nicht wohl gefühlt, mochtest du unsere Persönlichkeit nicht, oder waren wir vielleicht langweilig im Bett? Sind wir dir nicht schön oder perfekt genug? Oder warst du schlicht und einfach nicht verliebt in uns? Mit Ignoranz hinterlässt du eine aufgerissene Schramme an unserem Ego, und denk doch auch mal an die ganzen, armen Kerle, die das wieder heile reden, küssen und vögeln müssen.

In Erinnerung an Vincent und Co. – und mitsamt Hoffnung auf Reflexion! Zuversichtliche Grüße, Sandra

Donald Trump – eine bitterharte Langzeitprüfung?

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Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, im deutschen Fernsehen wird der Einzug in den Krieg nach Syrien als bitterharte Langzeitprüfung verharmlost, und die AFD erhält nicht ausschließlich aufgrund von Frau Storchs Frisur Zuspruch. Menschen mit einem demokratischen Verständnis fragen sich völlig zurecht – was passiert da gerade mit unserer Welt und vor allem aber mit unseren Werten?

Nehmen wir zunächst den Superheld Trump. Muss ein amerikanischer Präsident nicht länger eine Vorbildfunktion repräsentieren? „Grab her by the pussy“ – danach sagt man mal kurz „Ich habe den allerhöchsten Respekt vor Frauen“, und schon ist die Aussage relativiert? Nukleare Waffen hat man nicht umsonst erfunden, und mit Putin geht er sicher überall essen, um zu debattieren – nur nicht zum Mexikaner. Muslime erhalten Einreiseverbot, weil sie alle durch die Bank böse und radikale Salafisten sind, und Waffen sind prädestiniert dafür, um sie im Wohnzimmerschrank neben der Rosenthal-Teekanne aufzubewahren.

Als Nächstes widmen wir uns Nora Illi. Eine Frau mit europäischen Wurzeln, die zum Islam konvertiert ist und sämtliche Frauenrechte, für die mutige Frauen jahrelang gekämpft haben, mit einem Nikab verschleiert. Eine Frau, welche die Vollverschleierung im Fernsehen mit ihrem Recht auf Selbstbestimmung und Freiheit begründet, und damit, dass sie anderen durch das Tragen des Nikabs keinen Schaden hinzufügt. Liebe Nora, exakt das tun Sie damit, denn Sie schaden immens und unfassbar nachhaltig dem Selbstwertgefühl einer Frau. Sie propagieren ein Frauenbild, bei der sich die Frau dem Mann samt ausschließlich seiner sexuellen Triebe unterordnet (Polygynie), und ihre eigene Sexualität unter einem Schleier versteckt. Von der Verharmlosung der Kriegspropaganda fange ich gar nicht erst an, sonst wird das hier ein ganzes Buch – und kein Blogbeitrag mehr.

Aller guten Dinge sind drei, daher machen wir noch kurz einen Abstecher nach Dresden, wo am Tag der deutschen Einheit Pegida-Anhänger altbewährte Schlachtrufe aus Hitlerzeiten skandieren. Die Polizei wünscht einen „erfolgreichen Tag“, und das selbsternannte Volk grölt „Volksverräter“. Die Freunde von der AFD ziehen gleichauf – Herr Gauland weiß nicht darum, was Adolf damals alles so gesagt und getan hat, und achtsame Journalisten weisen auf fragwürdige Zusammenhänge hin.

Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung und politischer Einstellung – danach leben Menschen mit einem demokratischen Verständnis, aber seien wir mal ehrlich: Unser demokratisches Verständnis wird derzeit maßlos strapaziert.

Diktatur, Unterdrückung von Meinungsfreiheit und Menschenrechten, Rassismus und gewaltverherrlichende Radikalisierung werden am Fließband verharmlost, und Werte wie Respekt und Toleranz einseitig missbraucht, um eigene politische Interessen zu verfolgen. Und was dabei am schlimmsten ist: Das alles erfolgt unter dem Deckmantel der Demokratie.