Ein Gespräch an der Bar

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„Noch eins bitte!“
„Hast du nicht schon genug?“
„Nein.“
„Weshalb betrinken wir uns denn so – also wenn man fragen darf?“
„Darf man nicht…“
„Oha – so eine nette Dame mittleren Alters und so viel Frust! Wie heißt der Mistkerl?“
„Gesellschaft…“
„Wie bitte?“
„Komischer Name, was?“
„Waren seine Eltern Kommunisten?“
Es war das erste Mal seit Wochen, nein seit Monaten, dass sie lächelte.
„Wer sagt denn, dass sie tot sind?“
„Oke, dann leben sie halt noch!“
Zielsicher platzierte der in die Jahre gekommene Barkeeper das Bier.
„Danke!“
„Und was genau hat dieser Schweinehund dir angetan?“
„Er ist ungerecht! Scheissen verdammt nochmal ungerecht…!“
Skeptisch zog der Barkeeper die buschigen Augenbrauen nach oben.
„Er belohnt die falschen Dinge!“
„Tun das nicht alle Männer?“
„Nein – zum Glück nicht, ein paar Goldschätze bilden die Ausnahme.“
„Was genau belohnt ER denn nicht?“
„Herzarbeit, Mut und Selbstdisziplin!“
„Und was belohnt er?“
„Moralverfall, Konditionierung und Persönlichkeitsverlust.“
„Puh – ganz schön gewissenlos…“
„Kannste wohl laut sagen – ach mir fällt noch so viel mehr ein, allen voran Umweltverschmutzung, Bürokratie und seelenlose Zeitverschwendung.“
„Was für ein übler Mistkerl – vergiss den bloß ganz schnell!“
„Das sagst du so leicht – kostet ganz schön viel Kraft!“
„Jetzt hör mir mal zu, mein Täubchen – andere Mütter haben auch schöne Söhne!“
„Die will ich aber nicht…“
„Dann musst du kämpfen! Also jedenfalls so lange du noch genug Liebe spürst…“
„Hier und da entsendet er mir kleine, aber feine mutmachende Zeichen…“
„Siehst du – dann mach was draus!“
„Das klingt so einfach aus deinem Mund!“
„Ich bin ein alter aber dafür ausgesprochen weiser Mann!“
„Trinkst du einen Tequila mit mir?“
„Sehr gern, mein Täubchen – mit Salz und Zitrone oder Zimt und Orange?“
„Was hältst du von Zucker und Apfel?“
Jetzt musste der Barkeeper lächeln.
„Zucker haben wir im Überfluss vorrätig und sogleich werde ich in die Küche entschwinden und nach Äpfeln Ausschau halten! Falls ich in fünf Minuten nicht wieder hier sein sollte, bitte auf keinen Fall fortgehen – irgendwo in diesem wundervoll fruchtbaren Land muss es ja schließlich Apfelbäume geben!“