Die Angst vorm Alleinsein oder wieso wir oft und gerne in Abhängigkeiten verweilen

Et es wie et es. Et kütt wie et kütt. Alaaf!

Ehe die kölschen Gläser freudvoll erklingen, neigt sich ein beschwerender, aber zugleich stichprobenartig sinnbefreiter Arbeitstag dem Ende und der Frust gewinnt die Oberhand! Mindest wartet daheim ja gleich der vertraute Schatz auf uns mitsamt dem romantischen Dinner, das beglückende Dessert inbegriffen.
Tja, und dann öffnen wir die Haustür und vernehmen ein Schnarchen von der Couch!
Vermutlich sollten wir in Momenten wie diesen schnurstracks die Wohnung verlassen und den Karneval einen Tag vorverlegen! Hinaus ins Leben ziehen, eine Freundin besuchen oder mal wieder zum Sport gehen, aber irgendwie sind wir für jegliche Aktivitäten dieser eifrigen Art zu müde und kaputt.

Also gehen wir einen Moment in uns, verfluchen unser Dasein und dann?
Dann grüßt am übernächsten Tag der Kater und abermals das Murmeltier! Zwar hin und wieder mit durchaus erquicklichen Abweichungen, aber wäre die Zeit nicht eigentlich längst einmal reif, um einige Dinge genauer zu durchleuchten und womöglich auch zu verändern? Zeigefinger aufs Herz! Sind wir überhaupt noch glücklich?
Oder rattert und stockt das fliederlila Wolkenmobil nicht schon seit Längerem, da es aufgrund von feisten Sparmaßnahmen mit Diesel anstelle des zwingend notwendigen Benzins betankt wird? Und jenseits vom Abglanz der Beziehung, ist das wahrhaftig der erfüllende Traumjob, dem wir bis zur Rente treu die Rute halten wollen?
Irgendwas blockiert tatenvolle Reflexion. Irgendetwas hält uns davon ab, das knauserige Murmeltier in die Wüste zu schicken, zeitnah neu zu besetzen oder gar einen komplett neuen Film zu drehen. Mitsamt frischen Gesichtern, einer dienlicheren Handlung und möglichenfalls sogar an einem anderen Ort.

Weshalb nur verharren wir so gerne in Gewohntem, obgleich unser Herz widerspenstig strauchelt?
Weil das geliebte Auto über die vertraute Schnarchnase versichert ist und sich die Miete alleine doppelt so schwer trägt? Weil ein neuer Job, der uns mehr erfüllen würde, finanzielle Einbußen mit sich bringt? Und noch dazu schwer zu finden ist?
Was sich leicht finden lässt, sind allerlei Ausreden.

Et es wie et es. Et kütt wie et kütt. So sehr ich, nebst dem Kölner Karneval, diese redlichen Grundgesetze liebe, möchte ich hier rebellisch intervenieren! Unser Schicksal obliegt nicht gänzlich einer höheren Macht, allerdings interveniert hier eine lähmende Angst.
Alleinsein weckt oftmals eher Wehmut anstelle von Sehnsucht. Wir trauern Vergangenem nach und ersehnen unsere Wünsche und Träume mit derselben Traurigkeit, welche wenig Hoffnung auf Erfüllung birgt. Zudem müssen wir uns mit all dem alleine auseinandersetzen, denn es ist niemand da, der uns diese Last abnimmt.

Doch durchleuchten wir das Wort ‚Alleinsein‘ einmal etwas genauer. Zwei Wörter – trefflich miteinander verschmolzen. ‚Allein‘ und ‚Sein‘.
Was, wenn wir uns fortan mehr auf letzteres konzentrieren?
Und zwar mit Genuß! Zelebrieren wir das Sein mit einer Verabredung. Ein Rendezvous mit uns allein. Zum Nachdenken über das, was wir möglicherweise verändern möchten, jedoch ebenso zum Kochen, Spazierengehen oder DVD gucken.
Das soll kein Ratschlag hinein in die Einsamkeit sein, vielmehr ein Denkanstoß, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse mit reduzierter Scheu zu reflektieren.
Tauschen wir die Furcht vorm Alleinsein gegen Mut und Kraft für Entscheidungen.
Entscheidungen, die unter Umständen kurzfristig Alleinsein bedeuten, langfristig dafür aber beseelteres Glück verheißen.

Jeder Jeck is anders, folglich wird das Murmeltier eisern Grüße entsenden, doch fortan vielleicht ebenso das schlummernde Eichhörnchen!

 

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Weshalb man in Momenten berstender Selbstzweifel Helge Schneider hören sollte!

Wer kennt das nicht? Das Leben hat sich gegen einen verschworen! Der Mann, in den man verliebt ist, bevorzugt ohne den Hauch eines schlechten Gewissens eine andere, beruflich bleiben die gewünschten Erfolgserlebnisse heraus aus dem Dispo aus und in der Wohnung tummeln sich leere Pfand- und Glasflaschen, die es sich mit Wollmäusen und Wäschebergen gemütlich gemacht haben. Irgendwie gäbe es da ja zum Trost noch Familie und Freunde, nur sind diese meist just in diesen Momenten gebrechlicher Verzweiflung mit sich selbst und den eigenen kräftezehrenden Wehwechen beschäftigt – denkt man zumindest, dabei wäre es vielleicht gar nicht so.

Fakt ist: Man kriegt nix auf die Kette, findet sich furchtbar unattraktiv und unliebenswert – folglich lautet der plausible Plan, für den Rest der noch zu verbleibenden Lebenszeit dieses furchtbar ungerechte Leben zu verfluchen!
Denn woher die Stärke nehmen, wenn nicht stehlen?
Ein tragischer Beigeschmack verharrt besonders, wenn man die Kreuze des Lottoscheins nicht wahllos herausgepickt hat, sondern sorgsam – Zahlen mit essentieller Bedeutung wie beispielsweise den Geburtstag der verstorbenen Oma oder den Jahrestrennungstag mit dem Ex.
Ja richtig, wenn man mit unbeflecktem Herzblut, reiner Seele und ein klein wenig Verstand die Weichen gestellt hat, will man den Gewinn gefälligst auch einfahren!
Doch genau dieser wird einem eisern verwehrt, folglich verbleiben zwei Alternativen: Im Selbstmitleid versinken oder Alkohol trinken!
Und genau an dieser Stelle kommt Helge Schneider ins Spiel.
Denn: „Das Bonbon war lecker, das ich aß, bevor es dich gab in meiner Phantasie.“
Jetzt stellen wir uns doch einmal vor, wir irren uns gänzlich und sind gar nicht so unglücklich, wie wir es inbrünstig meinen zu sein.

Wir waren verliebt und wurden enttäuscht. Wir glauben zu wissen, dass wir uns nie wieder auf diese innige, bereichernde und Glücksgefühle-Abonnement Art verlieben werden, doch stimmt das tatsächlich? Wenn das wirklich der vermeintliche Seelenverwandte war, den man glaubte gefunden zu haben, dessen Nähe man liebte, weshalb bereitet uns derselbe Jemand so viel Schmerz und Selbstzweifel? Möglichenfalls wollte einen das umsichtige Universum ja bloß vor einem grotesken Narzisten beschützen!
Und der mangelnde Erfolg im Job? Wie misst man ihn? Mit Geld?
Lotto wird jede Woche neu gespielt, was genau hindert uns mithin daran, in der nächsten Woche andere Zahlen ins Rennen zu schicken? Fortan nicht irgendwelche, bloß weil wir verletzt oder vermeintlich gescheitert sind, sondern mit derselben Feinnervigkeit, wie sie bereits zuvor dem Herzen entsprang!

Und da kommt neuerlich der gute Helge ins Spiel! Mit einem Schuss Feinnervigkeit aus Banalitäten Klassiker zu generieren – das ist eine Kunst, die kaum ein anderer so gut beherrscht wie Helge Schneider! Der hellgrüne Jersey-Anzug, die Butter der Mutter, der Reis im Kochbeutel oder das lustige Augenwackeln am Gartenzaun.
Kurzfristig braucht es nämlich gar nicht zwingend sechs Richtige. Manchmal hilft es schon, den Schwermut vier Minuten und zwei Sekunden pausieren zu lassen und gegen Humor einzutauschen.

Es gibt Reis, Baby und dazu kannst du wählen eine Beilage – entweder kleine Möhrchen, Erbsen aus dem Glas oder aber ebenso sättigend eine Folienkartoffel mit Thunfischringen.

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